Gummi arabicum

Gum arabicum

Gummi arabicum (auch Gummiarabikum, Arabisches Gummi) wird das Gummi aus dem Pflanzensaft (Exsudat aus dem Harz) von verschiedenen, in Afrika verbreiteten Akazien-Bäumen wie dem Gummiarabikumbaum (Senegalia senegal), sowie der Arabischen Gummi-Akazie (Vachellia nilotica), der Seyal-Akazie (Vachellia seyal) und von Vachellia tortilis, Vachellia gummifera, Vachellia karroo und der Schrecklichen Akazie (Vachellia horrida) bezeichnet.

Auch werden viele weitere Gummis, früher alle von Acacia-Arten→Akazien, (Vachellia spp.), (Acacia spp.), (Senegalia spp.) mit „Gummi arabicum“ bezeichnet, diese sind aber nicht offiziell. Es ist die älteste bekannte Gummiart.

Gummi arabicum ist ein natürliches Gemisch von Polysacchariden (Mehrfachzuckern), deren Hauptkomponente auch Arabinsäure genannt wird

Gewinnung

Der Ruf nach Natürlichkeit wird bei allen verarbeiteten Lebensmitteln immer lauter. Gummi arabicum ist ein natürlicher Stoff, GMO-frei, der ohne Dünger und Pestizide angebaut wird. Lebensmittelherstellern geht es heute mehr und mehr um Aspekte wie „Green Labeling“. Mit dem Einsatz von Gummi arabicum sind sie klar im Vorteil und können Kaufentscheidungen positiv beeinflussen. Selbstverständlich liefern wir auch zertifizierte Bio-Qualitäten (DE-ÖKO-005).

Herkunft

Gummi arabicum wird aus dem Wundsaft der Bäume gewonnen. Dabei schneidet man die Baumrinde in einem nach unten gerichteten Winkel ein. Der austretende Milchsaft bildet einen Tropfen mit einem Durchmesser von 2 bis 7 cm. Dieser Saft wird aufgefangen und getrocknet. Meist wird jeden zweiten Tag ein weiterer Schnitt unterhalb des alten gemacht.

Aus dem heraussickernden Wundsaft kann sich im Laufe von 45 Tagen eine oberflächlich harte Blase bilden, die geerntet wird. Der Baum braucht bis zu 4 Jahre, um sich davon wieder zu erholen.

Charakterisierung

Gummi arabicum besteht aus weißen bis roten, meist gelblich-braunen, matten, spröden, geruchlosen Stücken mit glänzendem Bruch, die sich in warmem Wasser zu einer klaren, zähen, klebrigen, fad schmeckenden und schwach sauer reagierenden Flüssigkeit auflösen (pH-Wert von 5 in 10 %iger Lösung). Es hat eine Dichte von 1,4 g·cm−3und eine Zersetzungstemperatur von 90 bis 95 °C.[7] Die Löslichkeit beträgt circa 500 g·l−1.[7] Es ist unlöslich in Alkohol.

Gummi arabicum enthält hauptsächlich saure Erdalkali- und Alkalisalze der Arabinsäure (Polyarabinsäure), ein verzweigtes, aus L-Arabinose, D-Galactose, L-Rhamnose und D-Glucuronsäure im Verhältnis 3:3:1:1 bestehendes Polysaccharid.[4] Daraus wurden früher Arabinose und Ribose gewonnen. Außerdem sind Glykoproteine enthalten.

Einstufung und Kennzeichnung

Sicherheitshinweise
Name Gummi arabicum
CAS-Nummer 9000-01-5
EG-Nummer 232-519-5
ECHA-InfoCard 100.029.551
In der EU ist Gummi arabicum als Lebensmittelzusatzstoff der Nummer E 414 zugelassen.

Verwendungen

Medizin

Gummi arabicum wirkt stark adstringierend. Es enthält Gerbstoffe, Schleim und Flavonoide. Im Alten Ägypten wurde Gummi arabicum (dort Kami genannt) zur Einbalsamierung von Toten verwendet. Zudem wurde es zur Behandlung viraler Hauterkrankungen benutzt. In den Arzneibüchern wird Gummi arabicum als arzneiliche Droge und als galenischer Hilfsstoff aufgeführt. Es wird z. B. zur lokalen Schmerzbehandlung eingesetzt und als Füll- und Verdickungsmittel auch in der Zahnmedizin.

Lebensmittelzusatzstoff

Als Lebensmittelzusatzstoff wird Gummi arabicum Lebensmitteln als Verdickungsmittel, Emulgator und als Stabilisator zugesetzt. Hierbei ist vor allem die Anwendung in Getränke-Emulsionen sowie im Süßwarenbereich und in der Medikamentenherstellung (Gummi-Artikel und Überzug von Dragées) hervorzuheben.

Gummierung

Eine ehemals weit verbreitete Verwendung von Gummi arabicum ist die Gummierung von Papier. Dadurch werden Etiketten, Briefmarken, Briefumschläge, Zigarettenpapier, Verpackungen oder Klebebänder beim Anfeuchten verschließbar bzw. „klebbar“ gemacht.
Der Sattler verwendet das in Wasser gelöste Gummi arabicum als Poliermittel für Schnittkanten beim genähten Leder. Die Lösung wird mit einem Filz aufgetragen und nach dem Trocknen mit einem weichen Lappen oder einer Schwabbelscheibe poliert. Es verschließt die Poren und verleiht dem Leder eine dunklere Patina und Glanz.
Auch in der klassischen Lithografie fand Gummi arabicum für die notwendige Vorbehandlung der Lithosteine vor dem eigentlichen Farbauftrag Verwendung.

Pigment-Bindemittel

Aquarellfarbe aus Gummi arabicum, Pigment und Wasser Gummi arabicum wird zur Herstellung von Künstlerfarben verwendet: für Aquarell-, Gouache- und Temperafarben. Dabei dient es als Bindemittel für die Farbpigmente. Auch in der Glasmalerei werden die pulvrigen, keramischen Glasschmelzfarben damit malfähig angerieben. Im Orgelbau wird Gummi arabicum in einer Mischung mit Kreide und einem Farbstoff zum Oberflächenschutz und als Hitzeschutzfarbe beim Löten während der Fertigung von Metallpfeifen (meist Zinn-Blei-Legierung) eingesetzt.
Eine Lösung von Gummi arabicum nennt man Gummiwasser. Aus Gummiwasser und Ruß wurde schon in der Antike in Ägypten und China Tinte hergestellt.

Bedarf

Der jährliche Weltbedarf von 50.000 bis 60.000 Tonnen wird zu 50 Prozent aus dem Sudan gedeckt. Früher lieferte er 90 % des Bedarfs. Mittlerweile sind auch der Tschad, Senegal und Nigeria starke Produzenten.